Online Marketing News September 2026: ChatGPT Ads in Deutschland, Google Ads & mehr
Autor: Alex Rodionov
Alters- und Gruppenausschlüsse auf Asset-Group-Ebene in Performance Max – kommt bald
Google kündigt an, dass Ausschlüsse für Altersgruppen und demografische Gruppen bald auch auf Asset-Group-Ebene in Performance Max-Kampagnen verfügbar sein werden. Bisher waren solche Einstellungen nur auf Kampagnenebene möglich.
Das ist eine sinnvolle Erweiterung. Wer unterschiedliche Asset Groups für verschiedene Produkte oder Zielgruppen betreibt, kann damit noch präziser steuern, wer welche Anzeigen sieht – ohne eine separate Kampagne aufzusetzen. Noch nicht live, aber gut zu wissen.
„Strongest match“ und „Strong match“ – Google testet neue Labels auf Suchanzeigen
Google testet neue Relevanz-Labels auf Search-Anzeigen: „Strongest match“ und „Strong match“ erscheinen direkt unter dem Anzeigentitel und sollen Nutzern signalisieren, wie gut eine Anzeige zur Suchanfrage passt. Google Ads Liaison Ginny Marvin hat das Experiment offiziell bestätigt. Der Test läuft aktuell mit einem kleinen Prozentsatz der US-Nutzer.
Interessant, aber mit Vorsicht zu genießen. Einerseits könnte ein solches Label die CTR deutlich verbessern – wer sieht „Strongest match“, klickt eher. Andererseits wirft das Fragen auf: Nach welchen Kriterien vergibt Google das Label? Ist es wirklich Relevanz – oder beeinflusst das Gebot die Vergabe? Werbetreibende haben bisher keine Möglichkeit zu sehen, ob und warum ihre Anzeige das Label erhält. Ich beobachte das weiter, aber bin skeptisch, solange Google keine transparenten Kriterien nennt.
Multi-Product Carousel in ChatGPT Ads
OpenAI hat einen Multi-Product Carousel für ChatGPT Ads eingeführt: Mehrere Produkte eines Werbetreibenden erscheinen jetzt in einem einzigen scrollbaren Anzeigenblock am Ende einer Konversation – ähnlich wie Google Shopping, aber vorerst auf eine Marke beschränkt. Das Format baut auf den Product Feed Campaigns auf, die OpenAI im Mai eingeführt hat.
Das ist ein echter Schritt für E-Commerce-Werbetreibende. Statt eines einzelnen Produkts bekommt der Nutzer direkt eine Auswahl – das verbessert die Chance, dass etwas Passendes dabei ist. Die Feed-Qualität wird damit zur zentralen Stellschraube: schlechte Produkttitel, veraltete Preise oder fehlende Bilder wirken sich direkt auf die Anzeigenperformance aus. Wer ChatGPT Ads testet und einen sauberen Produkt-Feed hat, sollte dieses Format direkt einsetzen.
Google testet neue Buttons in der Suche
Google testet neue interaktive Buttons in den Suchergebnissen – an Stellen, wo bisher nur die zwei klassischen Haupt-Buttons erschienen sind. Die genaue Funktion variiert je nach Test, aber die Richtung ist klar: Google möchte mehr Interaktion direkt in der SERP ermöglichen, ohne dass Nutzer auf eine externe Website klicken müssen. Kein überraschender Schritt angesichts der Zero-Click-Entwicklung – aber ein weiteres Signal, dass Klicks aufs offene Web weiter abnehmen werden.
Baut Meta eine eigene Suchmaschine? Die Gerüchte
Es gibt Gerüchte, dass Meta an einer eigenen Suchmaschine arbeitet. Bestätigt ist nichts – aber die Logik dahinter ist nachvollziehbar. Meta ist stark abhängig von Google und Apple für Traffic und App-Distribution. Eine eigene Suche würde diese Abhängigkeit reduzieren und gleichzeitig enorme First-Party-Daten für Werbetargeting erschließen. Ob das kommt und wann – unklar. Aber es ist ein Thema, das ich im Blick behalte.
Cloudflare: Aufpassen, was jetzt standardmäßig geblockt wird
Cloudflare hat seine Standard-Einstellungen für KI-Crawler grundlegend geändert: Ab dem 15. September 2026 werden Mixed-Use-Crawler – also Bots, die gleichzeitig für Search, KI-Training und Agenten genutzt werden – auf Seiten mit Werbung standardmäßig geblockt. Das betrifft alle neuen Cloudflare-Kunden, neue Sites von bestehenden Kunden und alle bestehenden Free-Kunden.
Was viele nicht wissen: Zu den Mixed-Use-Crawlern zählen auch Googlebot, Applebot und BingBot – weil diese Bots sowohl für Search als auch für KI-Funktionen wie AI Overviews oder Training eingesetzt werden. Wer bei Cloudflare Training-Crawler blockt, sperrt damit unter Umständen auch klassische Suchmaschinen-Crawler aus. Das ist der Punkt, bei dem man aufpassen muss. Wer Cloudflare nutzt, sollte die Einstellungen unter Security → Bots jetzt prüfen – vor dem 15. September. Die drei Kategorien (Search, Agent, Training) müssen einzeln konfiguriert werden.
Kein Sprachtargeting mehr für Google Suchkampagnen
Ab Ende September 2026 entfernt Google das Sprachtargeting auf Kampagnenebene aus Search- und AI-Max-Kampagnen. Die Sprache der Anzeigen wird künftig automatisch erkannt – basierend auf der Anzeigensprache selbst, der Sprache der Landing Page und Nutzersignalen. Performance Max behält das Sprachtargeting für alle Kanäle außer Search.
Das klingt nach einer kleinen technischen Änderung, ist es aber nicht für jeden. Wer mehrsprachige Kampagnen betreibt – zum Beispiel separate Kampagnen für Deutsch und Englisch im DACH-Raum – und die Sprachtrennung bisher über das Targeting-Setting gesteuert hat, muss jetzt sicherstellen, dass die Trennung durch die Anzeigentexte und Landing Pages selbst erfolgt. Wer das schon immer sauber gemacht hat, merkt kaum etwas. Wer sich auf das Setting verlassen hat, hat bis Ende September Zeit, die Struktur anzupassen.
ChatGPT Ads kommen nach Deutschland und Europa
Es ist offiziell: OpenAI hat ChatGPT Ads am 24. August 2026 in 31 europäischen Ländern gestartet – darunter Deutschland, Österreich, Frankreich, Spanien, Italien, die Niederlande und weitere. Seit dem 31. August ist der Self-Service-Zugang über den Ads Manager für alle 31 Märkte offen. Anzeigen erscheinen nur für Nutzer der Free- und Go-Pläne – Plus, Pro und Enterprise bleiben werbefrei.
Ein wichtiger Unterschied zu den USA: In der EU gibt es vorerst kein personalisiertes Targeting. Anzeigen basieren auf dem aktuellen Gesprächskontext und allgemeinen Signalen wie Sprache und ungefährem Standort – keine Chat-History, keine gespeicherten Erinnerungen. Das ist DSGVO-bedingt und nachvollziehbar, schränkt aber die Targeting-Präzision gegenüber Google und Meta deutlich ein. Für DACH-Werbetreibende gilt: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, einen Test zu starten und Daten zu sammeln – bevor die Konkurrenz aufwacht. Die Plattform ist noch Beta, CPCs sind noch niedrig, und wer früh dabei ist, hat einen Lernvorsprung.
Google führt /goto Parameter in der Suche ein – Anti-Scraping-Maßnahme
Google hat bestätigt, dass alle Links in den Suchergebnissen jetzt über einen google.com/goto-Redirect geleitet werden. Für normale Nutzer ändert sich nichts – man klickt auf ein Ergebnis und landet wie immer auf der Zielseite. Hinter den Kulissen macht Google damit systematisches Scraping seiner Suchergebnisse deutlich schwieriger: Die Links können nicht mehr einfach aus dem HTML extrahiert werden, sondern müssen einzeln aufgelöst werden – was den Aufwand für Scraper massiv erhöht.
Der Hintergrund: Google hat SerpApi, einen Anbieter der Google-Suchdaten weiterverkauft, verklagt. Der /goto-Parameter ist die technische Antwort auf das Problem. Was das für Werbetreibende und SEOs bedeutet: Rank-Tracking-Tools, SERP-APIs und ähnliche Dienste müssen ihre Parser anpassen. Wer solche Tools einsetzt, sollte prüfen, ob die Anbieter die Umstellung bereits verarbeitet haben – und Datenausfälle in diesem Zeitraum entsprechend einordnen.
Weniger PDF-Dateien in den Google-Suchergebnissen
Ende August wurde beobachtet, dass Google deutlich weniger PDF-Dateien in den Suchergebnissen anzeigt – auch von wichtigen Quellen wie IRS.gov und anderen Regierungsseiten. Google’s John Mueller hat sich die Berichte angesehen, und einige PDFs tauchten kurz darauf wieder auf. Ob es sich um einen Bug oder eine bewusste Änderung handelt, ist noch unklar.
Für die meisten Websites ist das kein akutes Problem. Wer jedoch wichtige Inhalte als PDF veröffentlicht – Whitepaper, Berichte, Anleitungen – sollte prüfen, ob diese noch korrekt indexiert sind. Grundsätzlich gilt: HTML-Seiten ranken in der Regel stabiler als PDFs. Wer PDF-Inhalte auch als HTML-Version anbietet, ist auf der sicheren Seite.
Manual Actions wirken für EU-Nutzer nicht mehr – Reaktion auf EU-Regulierung
Ab dem 30. August 2026 gelten Manual Actions unter Googles Site Reputation Policy nicht mehr für Nutzer innerhalb des EWR. Hintergrund ist ein Verfahren der Europäischen Kommission unter dem Digital Markets Act. Site-Reputation-Abuse – also Parasite SEO, bei dem Drittinhalte auf starken Domains platziert werden, um von deren Ranking zu profitieren – wird für EU-Nutzer damit de facto nicht mehr aktiv bestraft.
Das ist eine merkwürdige Situation. Google selbst ist offensichtlich nicht glücklich damit und betont, dass europäische Nutzer genauso wenig von Parasite SEO begeistert sind wie alle anderen. Für Werbetreibende und SEOs in Deutschland bedeutet das konkret: Eine Manual Action, die eine Website in den USA aus den Ergebnissen entfernt, hat für Nutzer in Deutschland möglicherweise keine Auswirkung. Das kann Chancen für Mitbewerber eröffnen, die solche Taktiken einsetzen – oder eben für die eigene Website, wenn man selbst eine Action hatte. Ein interessantes regulatorisches Experiment, dessen Auswirkungen wir in den nächsten Monaten beobachten werden.
Noch ein paar Nachrichten aus den letzten Wochen findet Ihr in diesem Youtube-Video:
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