Online Marketing News August 2026: Google Ads KI, ChatGPT Ads & GSC Updates
Autor: Alex Rodionov
Google testet KI-Zusammenfassungen in Google Ads
Seit Anfang Juli testet Google KI-generierte Zusammenfassungen direkt unterhalb von Suchanzeigen. Die KI schreibt dabei einen eigenen Text unter die Anzeigenbeschreibung – unabhängig davon, was der Werbetreibende verfasst hat. Mit einem Disclaimer: „Google AI responses are generated independently and can make mistakes.“
Das ist ein echter Eingriff in die Anzeigengestaltung. Jahrelang hatten Werbetreibende die vollständige Kontrolle darüber, was Nutzer im Anzeigentext sehen – Headline, Beschreibung, jedes Wort. Jetzt kann ein KI-generierter Absatz danebenstehen, den niemand autorisiert hat und den niemand kontrolliert. Falsche Angaben, irreführende Formulierungen, fehlende rechtliche Hinweise – alles möglich. Und der Disclaimer hilft dem Werbetreibenden dabei gar nichts. Das Feature ist noch im Test, aber die Richtung gefällt mir nicht.
tCPA und tROAS Bidding ändert sich ab 17. August
Ab dem 17. August 2026 ändert Google, wie Budget-limitierte Kampagnen mit tCPA- und tROAS-Strategien performen. Bisher war es so: Viele budget-limitierte Kampagnen haben ihren gesetzten Zielwert deutlich übertroffen – wer einen tCPA von 10 € gesetzt hat, bekam Conversions vielleicht für 5 €. Diesen Bonus schließt Google jetzt. Ab August werden Kampagnen näher an den gesetzten Zielwert herangeführt.
Was das bedeutet: Wer gut performende Kampagnen mit niedrigen tCPA-Zielen hat, sollte jetzt prüfen, ob die Targets angepasst werden müssen. Google stellt dafür das Bid Target Adjustment Tool zur Verfügung. Wer nichts tut, riskiert, dass Kampagnen nach dem 17. August schlechter performen als vorher – weil der Algorithmus plötzlich wirklich auf den gesetzten Zielwert optimiert statt auf die echte Performance.
Social Media Konten in der GSC tracken – jetzt möglich
Google hat am 7. Juli 2026 Platform Properties in der Search Console eingeführt: Instagram, TikTok, X und YouTube lassen sich jetzt direkt als Properties hinzufügen. Man sieht dann, welche Posts über Google Search gefunden werden, welche Suchanfragen dazu führen und wie viele Klicks generiert werden.
Das ist eine sinnvolle Erweiterung. Gerade für Unternehmen, die stark auf Social Content setzen, war es bisher unmöglich zu sehen, wie dieser Content in der Google-Suche performt. Facebook und LinkedIn sind noch nicht dabei – aber der Anfang ist gemacht. Wer Instagram, TikTok oder YouTube betreibt, sollte die entsprechenden Accounts direkt verknüpfen.
In Großbritannien: Opt-out für KI-Übersichten jetzt in der GSC
UK-Websites können in der Google Search Console jetzt steuern, ob ihre Inhalte in AI Overviews und AI Mode erscheinen dürfen. Der entsprechende Toggle wurde zunächst für britische Konten ausgerollt – ein globaler Rollout ist angekündigt, aber ohne Datum.
Meine Einschätzung bleibt dieselbe wie beim ersten Rollout des Features: Für die meisten Websites ist ein Opt-out keine gute Idee. Wer aus KI-Übersichten aussteigt, verliert Sichtbarkeit ohne eine bessere Alternative zu haben. Wer triftige Gründe hat – bestimmte Content-Typen, rechtliche Bedenken, Pay-Content – kann es nutzen. Alle anderen: drin bleiben.
Google bricht Rekorde beim Argentinien-Spiel – aber was sagt das wirklich?
Google hat gemeldet, während eines Argentinien-Spiels (gegen Ägypten) Rekordwerte bei Suchanfragen erzielt zu haben. Die Botschaft dahinter: Google Search wird mehr genutzt denn je, auch in der KI-Ära.
Nutzungsrekorde bei Großereignissen sind nichts Neues. Was mich dabei interessieren würde: Wie viele dieser Suchanfragen enden mit einem Klick auf eine Website – und wie viele werden direkt durch KI-Übersichten oder Wissenspanels beantwortet? Die Zahl der Anfragen sagt wenig, wenn der Traffic zum offenen Web trotzdem schrumpft.
Audience Targeting für ChatGPT Ads
OpenAI hat Custom Audience Lists für ChatGPT Ads eingeführt: Werbetreibende können eigene Kundenlisten – E-Mail- oder Telefonlisten – hochladen und gezielt targetieren. Ein erster Schritt hin zu First-Party-Data-Targeting, wie es auf Google und Meta schon lange Standard ist.
Die Plattform entwickelt sich weiter, und das ist positiv. Wer ChatGPT Ads testet, sollte dieses Feature direkt einbinden – Custom Audiences liefern in der Regel relevantere Treffer als rein kontextuelles Targeting.
Google Merchant Center AI Performance Report – aber ohne Klickdaten
Google Merchant Center hat einen KI Performance Report eingeführt, der zeigt, wie oft Produkte in KI-generierten Suchergebnissen erscheinen. Was fehlt: Klickdaten. Man sieht also Impressionen, aber nicht, ob Nutzer auch tatsächlich geklickt haben.
Das ist dasselbe Problem wie beim GSC-KI-Bericht. Impressionen ohne Klicks sind ein halber Datensatz. Man weiß, dass man sichtbar ist – aber nicht, ob diese Sichtbarkeit etwas bringt. Hoffentlich kommt das noch.
ChatGPT Ads: Attributed Sales Value, Sales ROAS und Produktreporting
ChatGPT Ads bekommt neue Metriken: Attributed Sales Value, Sales ROAS und Reporting auf Produktebene. Das sind die Metriken, die Performance-Marketer brauchen, um eine Plattform ernsthaft zu bewerten. Bisher war ChatGPT Ads in Sachen Transparenz sehr eingeschränkt.
Das ist ein wichtiger Schritt. Wer E-Commerce betreibt und ChatGPT Ads testet, kann jetzt zum ersten Mal sehen, welche Produkte tatsächlich Sales generieren. Der Vergleich mit Google Shopping und Meta wird damit möglich – und das ist genau das, was Werbetreibende brauchen, um Budgetentscheidungen zu treffen.
Standort-Ausschlüsse kommen zu ChatGPT Ads
Werbetreibende können bei ChatGPT Ads jetzt Standorte ausschließen. Eine Grundfunktion, die auf Google und Meta seit Jahren selbstverständlich ist – aber für eine neue Plattform trotzdem ein notwendiger Schritt in Richtung Kontrolle.
OpenAI verfehlt Werbeumsatzziel um 90 %
Laut einer Analyse von eMarketer wird OpenAI sein eigenes Werbeumsatzziel für 2026 um rund 90 % verfehlen. OpenAI hatte 2,5 Milliarden Dollar Werbeumsatz für 2026 prognostiziert und 100 Milliarden bis 2030. eMarketer schätzt, dass der gesamte US-Markt für Chatbot-Werbung – inklusive ChatGPT, Microsoft Copilot, Google AI Mode und Amazon Alexa – 2026 unter einer Milliarde bleibt.
Das ist kein Absturz, sondern eine Realitätsprüfung. ChatGPT Ads ist eine neue Plattform, die sich erst beweisen muss. Die Infrastruktur für Performance-Marketing ist noch nicht ausgereift, die Metriken kommen gerade erst, und die meisten Werbetreibenden warten ab. Dass OpenAI mit 100-Milliarden-Prognosen für 2030 um sich wirft, war immer mehr Kapitalmarktstrategie als realistische Planung. Relevant für den deutschen Markt bleibt: Die Plattform ist noch nicht in der EU verfügbar. Solange das so ist, ist das Thema für die meisten hier eher theoretisch.
Google Local Service Ads migrieren zu Performance Max
Ab August 2026 wandern Local Services Ads in die Google Ads Plattform – als spezieller Performance Max-Kampagnentyp mit Pay-per-Lead-Ziel. Der Rollout beginnt mit US-Unternehmen in den Bereichen Haushalt, Tierpflege, Wellness und Bildung. Deutschland folgt 2027.
Wichtig zu wissen: Trotz des P-Max-Labels erscheinen diese Anzeigen weiterhin ausschließlich auf Search und Maps – nicht auf YouTube, Display oder Gmail. Das Pay-per-Lead-Modell bleibt ebenfalls erhalten. Was nicht mitkommt: die historischen Performance-Berichte. Wer LSA betreibt, sollte jetzt alle relevanten Reports exportieren, bevor die Migration läuft.
GA4 Property mit mehreren Google Ads Konten verbinden
Google erlaubt es jetzt, eine GA4 Property mit mehreren Google Ads Konten zu verknüpfen. Für Agenturen und Unternehmen mit mehreren Ads-Konten war das bisher ein echter Engpass – jetzt lässt sich alles in einer GA4-Property zusammenführen und gemeinsam analysieren.
Missed Opportunities Bericht in Google Ads
Google hat einen „Missed Opportunities“-Bericht in Google Ads eingeführt. Er zeigt, welche potenziellen Impressionen und Klicks durch zu niedrige Budgets, zu enge Zielgruppen oder andere Einschränkungen verpasst wurden.
Nützlich als Orientierung, aber mit Vorsicht zu genießen: Dieser Bericht ist kein neutrales Analyse-Tool, sondern primär eine Einladung, mehr zu ausgeben (typisch Google). Jede Empfehlung darin sollte gegen die eigenen Conversion-Daten und Ziele geprüft werden – nicht blind umgesetzt werden.
Google: „Wir senden Milliarden Klicks wöchentlich durch KI-Suche“ – wirklich?
Nick Fox, SVP bei Google, hat auf LinkedIn erklärt, Google sende über KI-Features in der Suche wöchentlich Milliarden Klicks an Websites. Insgesamt sende Google Search täglich Milliarden Klicks ans offene Web.
Die entscheidende Frage, die dabei nicht beantwortet wird: Wie viele Klicks hat Google vor den KI-Übersichten gesendet? „Milliarden wöchentlich“ klingt viel – aber wenn es früher täglich Milliarden waren und jetzt nur noch wöchentlich, ist das kein Fortschritt. Zahlen ohne Vergleichswert und ohne nachprüfbare Daten sind PR, keine Transparenz. Die SparkToro-Studie zeigt: 68 % der Suchanfragen enden ohne Klick. Diese beiden Aussagen passen nur schwer zusammen.
Einkommens-Ausschlüsse für Performance Max (außerhalb der EU)
Google hat Income-Exclusions für Performance Max grundsätzlich verfügbar gemacht: Werbetreibende können damit bestimmte Einkommensgruppen aus der Zielgruppe ausschließen. In der EU funktioniert das allerdings nach wie vor nicht – da Google in Europa keine Einkommensdaten der Nutzer erhebt, fehlt die Datengrundlage für dieses Targeting schlicht. Für DACH-Kampagnen ist dieses Feature damit vorerst irrelevant.
Noch ein paar Nachrichten aus den letzten Wochen findet Ihr in diesem Youtube-Video:
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